Samstag, 17. Januar 2026

Buenos Aires

Nach mehr als zwei Jahren kreuz und quer durch Europa unterwegs war ich nun fast eineinhalb Monate zu Hause. Das hat es – wie gesagt – seit über zwei Jahren nicht mehr gegeben. Der Grund dafür ist mir völlig klar. Ich habe zwar ein schönes Zuhause und lebe mit einem Teil meiner Familie in einem wirklich angenehmen Haus. Aber mein eigentliches Problem bin ich selbst. Ich weiss schlicht nicht, was ich mit mir anfangen soll, und das ist ein uraltes Thema.

Im Grunde tue ich fast nichts: Musik hören, Filme schauen und ziemlich ratlos aus der Wäsche gucken. Immerhin gibt es Trump. Über den kann ich mich fast täglich aufregen, was meinen Körper – Herz und Blutdruck – zuverlässig in Schwung hält. Wenn ich reise, bin ich deutlich aktiver, selbst wenn es „nur“ Zugfahren, Hotelsuchen oder Sightseeing ist. Und doch stimmt der alte Satz: Man nimmt sich selbst immer mit – und damit auch seine kleinen und grossen Problemchen.

Also, was habe ich gemacht? Ich habe mich spontan für eine fünfwöchige Reise nach Argentinien entschieden. Ich war bereits 2007 einmal dort, und da Argentinien auf der Südhalbkugel liegt, ist dort momentan Sommer. Während wir uns in der Schweiz gerade ziemlich den Arsch abfrieren.

Ich habe also gebucht: Abflug am 15. Januar mit Air France via Paris nach Buenos Aires, Rückflug am 5. Februar.

Der erste Teil des Fluges war pünktlich und angenehm und brachte uns nach Paris Charles de Gaulle. Als ich das letzte Mal dort war, herrschte pures Chaos – Umbauten überall, Passagiere, die wie blinde Hühner durch den Flughafen getorkelt sind. Dieses Mal hingegen war alles überraschend gut organisiert, übersichtlich und entspannt.

Leider hatte der Weiterflug nach Buenos Aires dann satte drei Stunden Verspätung. Die Sitze waren zudem ziemlich eng kalkuliert, obwohl ich bewusst einen Platz mit angeblich etwas mehr Beinfreiheit gewählt hatte. Früher war Air France in dieser Hinsicht deutlich besser. Schade. Durch die Verspätung ergab sich ein weiteres Problem: Ich hatte bereits eine Unterkunft in Buenos Aires gebucht, deren Rezeption nur bis 22:00 Uhr geöffnet war. Während des Fluges hatte ich Internet und fragte im Hotel nach, ob eine Ankunft gegen Mitternacht möglich wäre. Die Begeisterung hielt sich in Grenzen, aber wir einigten uns schliesslich darauf, dass ich die Buchung kostenlos stornieren konnte.

Ich buchte also ein anderes Hotel mit Öffnungszeit bis 23:00 Uhr. Doch auch das erwies sich als knapp, denn Buenos Aires ist eine riesige Stadt und die Taxifahrt vom Flughafen dauerte rund eine Stunde. Zunächst war man auch dort nicht gerade erfreut, willigte dann aber ein, mich bis 00:30 Uhr zu empfangen. Das klappte schliesslich problemlos, und der Mann an der Rezeption entpuppte sich als ausgesprochen hilfsbereit und sympathisch.

Ich blieb zwei Tage in diesem Hotel und zog dann für weitere zwei Tage in ein anderes, nur etwa 300 Meter entfernt. Beide Hotels liegen direkt an der grössten Avenue von Buenos Aires, dort, wo auch der berühmte Obelisk steht. Die Strasse selbst ist eine 16-spurige Schneise durch die Stadt – acht Spuren pro Richtung. Als ich das Hotel zum ersten Mal verliess, bemerkte ich, dass ich mich exakt an dem Ort befand, an dem ich 2007 meine Weltreise begonnen hatte: Das damalige Hostel lag nur eine Seitenstrasse weiter.

Die Temperaturen in Buenos Aires waren nach der beschissenen Kälte in der Schweiz eine wahre Wohltat. Tagsüber bis zu 35 Grad, abends angenehme 25 Grad, dazu trockene Luft – perfekt.

Am zweiten Tag machte ich dann meine inzwischen fast obligatorische Stadtrundfahrt im Hop-on/Hop-off-Bus. Buenos Aires ist zwar eine riesige Stadt, wirkt aber weniger eindrucksvoll, als man vielleicht erwarten würde. Im Vergleich zu Barcelona – mit dem sie am ehesten verglichen wird – fällt sie eher nüchtern aus. Und mit Städten wie Rom oder Paris kann sie ohnehin nicht mithalten.

Normalerweise habe ich kaum Bargeld dabei, da man fast überall auf der Welt problemlos mit Karte bezahlen kann. Hier ist das etwas komplizierter. Aufgrund der extrem hohen Inflation gibt es offenbar fast jährlich neue Banknoten. Der aktuelle Kurs ist absurd: 10’000 Pesos entsprechen etwa 5 Franken. Trotzdem ist das Leben hier insgesamt relativ günstig.

Am vierten Tag entschied ich mich schliesslich, weiter nach Bariloche zu fliegen. Ich kannte den Ort noch von 2007 und war gespannt, ihn nach all den Jahren erneut zu erleben.

Weiter dann in Bariloche.



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