Nach Thurso ging es weiter in Richtung Durness und am nächsten Tag wieder südwärts nach Inchnadamph – einem Ort mit einem Namen, den vermutlich nicht einmal die Einheimischen fehlerfrei aussprechen können.
Diese Etappe führte mich durch den wohl wildesten Teil der schottischen Highlands. Eine spektakuläre Landschaft mit unzähligen kleinen und grossen Seen, schroffen Bergen und einer Weite, die man kaum beschreiben kann. Das Wetter zeigte sich allerdings von seiner typisch schottischen Seite: grau, kühl und eher ungemütlich. Zum Glück hatte ich nach meiner Erfahrung in Inverness in Wick eine warme Jacke gekauft. Per Zufall kam ich dort an einem Secondhand-Laden vorbei und sah sie sofort. Fast wie neu, eine schöne Farbe, angenehm warm und der Preis? Ganze fünf Pfund. Für diesen Betrag bekommt man heutzutage ja kaum noch einen Kaffee.
Von Durness bis Inchnadamph besteht ungefähr die Hälfte der Strecke aus einer einspurigen Strasse mit kleinen Ausweichbuchten im Abstand von etwa 500 Metern. Ich hatte zuerst befürchtet, dass das ein einziges Chaos wird. Das Gegenteil war der Fall. Alle Fahrer waren ausgesprochen rücksichtsvoll. Wer Platz hatte, wich aus, liess den anderen passieren und meistens wurde sich danach noch freundlich zugewinkt. So einfach kann Strassenverkehr sein.
Als ich in Inchnadamph bei meiner Unterkunft ankam, dachte ich zuerst, ich hätte entweder die falsche Adresse oder Booking.com hätte sich beim Preis vertippt. Eine lange Einfahrt führte durch einen riesigen Park zu einem wunderschönen, gepflegten Haus, das aussah wie ein altes englisches Herrenhaus aus einem Film. Für 35 Pfund pro Nacht? Das konnte doch nicht stimmen. Aber doch – alles war korrekt und es war eine der schönsten Unterkünfte der ganzen Reise.
Am Abend machte ich noch einen Drohnenflug. Und dann passierte genau das, was ich eigentlich nie mehr erleben wollte.
Obwohl der Akku laut Anzeige noch ungefähr halb voll war, meldete die Drohne plötzlich, dass sie wegen niedriger Batterie automatisch zurückkehren werde. Sie flog tatsächlich zurück, schaffte es aber nicht ganz. Etwa 200 Meter vor mir setzte sie zur Landung an, weil die verbleibende Energie nicht mehr ausreichte.
Genau dasselbe war mir schon einmal in Narvik mit meiner ersten Drohne passiert. Immerhin wusste ich ungefähr, wo sie heruntergekommen sein musste. Zusätzlich hatte ich noch das kleine Video mit den letzten fünf Sekunden der Aufnahme.
Das Problem war nur: Die Drohne lag irgendwo in einem riesigen Feld mit etwa 50 Zentimeter hohen Farnpflanzen. Dazwischen verlief auch noch ein kleiner Bach.
Also Schuhe aus und los.
Ich watete barfuss durch das eiskalte Wasser. Kurz bevor ich das andere Ufer erreichte, rutschte ich aus und landete mit dem Hintern mitten im Bach. Nass war ich nun ohnehin, also konnte es weitergehen. Danach musste ich noch über einen kleinen Metallzaun klettern und stand schliesslich mitten in diesem Farnfeld – immer noch barfuss. Das war keine besonders gute Idee. Nach rund zwanzig Minuten Suchaktion waren meine Füsse voller kleiner Schnitte und bluteten bereits ordentlich. Von der Drohne hingegen keine Spur.
Irgendwann musste ich mir eingestehen, dass die Schmerzen grösser waren als meine Motivation. Ich gab auf und stapfte enttäuscht zurück.
Na toll. Schon wieder eine Drohne verloren.
Zurück in der Unterkunft teilte ich mein Zimmer mit drei Schweizern. Als ich ihnen die Geschichte erzählte, bot einer der Männer sofort an, mit mir nochmals auf die Suche zu gehen. Das fand ich unglaublich nett und nahm das Angebot natürlich sofort an.
Diesmal gingen wir allerdings nicht mehr direkt durch den Bach, sondern fanden etwas weiter unten einen Weg, über den wir trockenen Fusses auf die andere Seite gelangten.
Keine fünf Minuten nachdem wir wieder mit der Suche begonnen hatten, rief mein Begleiter plötzlich: «Ich glaube, ich habe sie!»
nte es kaum glauben. Tatsächlich lag sie dort – praktisch unversehrt. Kein Propeller kaputt, keine sichtbaren Schäden, einfach alles in Ordnung.
Wenn er eine Frau gewesen wäre, hätte ich ihn wahrscheinlich geküsst. 😃
An dieser Stelle nochmals ein ganz herzliches Dankeschön. Ohne seine Hilfe würde die Drohne wahrscheinlich heute noch irgendwo zwischen den Farnpflanzen liegen.
Heute ist der 19. Juli. Das Mietauto muss ich spätestens am 22. Juli um 11.00 Uhr in Inverness zurückgeben. Ob ich heute bereits dorthin zurückfahre, weiss ich noch nicht. Ich möchte unbedingt noch zum Loch Ness und das Schlachtfeld besuchen, das in der Serie Outlander eine wichtige Rolle spielt. Mal sehen, was zeitlich noch drinliegt.






