Seit dem 13. Juli bin ich wieder unterwegs. Nach wie vor liegt fast ganz Europa unter einem Hochdruckgebiet mit Temperaturen von teilweise über 40 Grad.
Nachdem ich ja eben erst von Polen und Rumänien zurückgekehrt war, wollte ich eigentlich gleich wieder in dieselbe Richtung aufbrechen und mir noch Bulgarien "reinziehen". Daraus wurde allerdings nichts, denn sämtliche Nachtzüge nach Budapest und weiter nach Bukarest und schliesslich nach Sofia waren bereits für die nächsten zwei Wochen ausgebucht. So lange wollte ich aber nicht warten. Mein Interrail-Pass ist schliesslich nur noch bis zum 22. August gültig und jeder Tag, an dem ich ihn nicht benutze, ist irgendwie ein verlorener Tag.
Also entschied ich mich kurzerhand für genau die entgegengesetzte Richtung: England. Ich war zwar schon einige Male dort und hatte es jeweils bis nach Inverness geschafft, aber noch nie ganz hinauf in den hohen Norden der Highlands.
Ich hatte sogar Glück und konnte meine Reservationen so buchen, dass ich morgens um 08:30 Uhr in Luzern losfahren, über Basel nach Paris Gare de Lyon und von dort gleich weiter nach London reisen konnte. Von Luzern nach London an einem einzigen Tag – der Plan war perfekt.
Bis Basel lief auch alles wie am Schnürchen. Danach passierte allerdings etwas, das man eigentlich eher von der Deutschen Bahn erwartet. Der Zug von Basel nach Paris wurde annulliert. Als Alternative gab es eine Verbindung über Mulhouse. Diese fuhr jedoch mehr als eine Stunde später ab, wodurch ich meinen Anschluss von Paris nach London verpasste. Damit waren sämtliche Reservationen für Basel–Paris–London wertlos. Kostenpunkt: 55 Franken. Man gönnt sich ja sonst nichts.
Ganz verlassen hatte mich das Glück aber doch nicht. Ich konnte neue Reservationen über Mulhouse buchen und fand sogar nochmals einen Platz im Eurostar nach London. Allerdings erst um 20:30 Uhr. Das bedeutete vier Stunden Wartezeit in Paris. Es gibt definitiv schlechtere Städte, um ein paar Stunden totzuschlagen.
Wie auch immer – schlussendlich klappte alles und ich kam um 22:30 Uhr in London an. Von dort ging es direkt mit der Piccadilly Line zur Station Earl's Court, wo ich erneut in einer Unterkunft übernachtete, die ich bereits von früher kannte.
Am nächsten Tag fuhr ich mit dem Zug weiter von London nach Edinburgh und anschliessend hinauf nach Inverness, wo ich erst um 22:20 Uhr ankam. In der Annahme, dass es überall in Europa heiss oder wenigstens angenehm warm sei, hatte ich ausschliesslich T-Shirts eingepackt. Dafür habe ich mir in Inverness dann fast den Hintern abgefroren. Es hatte gerade einmal etwa 14 Grad und dazu blies ein recht kalter Wind. Zum Glück war das Hostel angenehm beheizt, sodass ich die Nacht unbeschadet überstand.
Am nächsten Morgen konnte ich meinen Mietwagen übernehmen. Ich hatte ihn für sieben Tage gemietet. Der Preis lag bei 290 Franken inklusive einer Versicherung, die wirklich alles abdeckt. Gegen 11 Uhr machte ich mich auf den Weg Richtung Wick, der nördlichsten Stadt auf dem schottischen Festland an der Ostküste.
Das Wetter hatte mit den Verhältnissen in Polen und Rumänien allerdings nicht mehr viel gemeinsam. Die Temperaturen kletterten nur knapp über 20 Grad und meistens lag ein leichter Dunst über der Landschaft. Immerhin blieb es trocken. Zum Glück weiss ich inzwischen auch, wie ich meine Fotos mit ChatGPT so bearbeiten kann, dass sie aussehen, als wären sie bei strahlend blauem Himmel mitten im Hochsommer aufgenommen worden.
In Wick übernachtete ich und fuhr am nächsten Morgen noch weiter nach Norden zu einem Leuchtturm, wo ich zum ersten Mal in England beziehungsweise Schottland meine Drohne starten konnte. Anschliessend ging es westwärts nach Thurso. Dort befindet sich der nördlichste Bahnhof Grossbritanniens. Von hier könnte man theoretisch direkt bis nach London fahren – eine ziemlich eindrückliche Strecke.
Aktuell bin ich in Thurso. Soeben habe ich die nächsten paar Tage geplant, denn nun beginnt ein Teil Schottlands, der fast unbewohnt ist. Wieder einmal hatte ich Glück und konnte mir für die kommenden drei Nächte Unterkünfte für lediglich 30 bis 40 Pfund sichern. Es waren jeweils die allerletzten verfügbaren Zimmer. Alle anderen Unterkünfte lagen preislich bei 240 Pfund oder noch deutlich höher. Offenbar ist Einsamkeit heutzutage ein Luxusgut.
Auch beim Tanken muss man in dieser Gegend etwas vorausdenken. Ich habe mir deshalb vorsorglich die Karten für die Navigation heruntergeladen, weil es hier teilweise überhaupt keinen Handyempfang geben soll.
Morgen geht es weiter nach Durness, immer der spektakulären Nordküste Schottlands entlang. Ich bin gespannt, was mich dort oben erwartet.
Drohne über Duncansby Head





