Dienstag, 20. Januar 2026

Bariloche 2

Heute ist mein letzter Tag in Bariloche. Gegen 16:00 Uhr geht mein Flug zurück nach Buenos Aires – von hier mit angenehmen rund 25 Grad direkt hinein in die 35 Grad der Hauptstadt. Dort habe ich mir für drei Tage ein schönes Apartment gemietet. Insgesamt bleiben mir ja immer noch etwas mehr als zwei Wochen, und ich bin aktuell am Überlegen, wie ich diese verbleibende Zeit sinnvoll und interessant gestalten soll.

Eine Idee war, nach Punta Arenas zu fliegen. Das liegt ganz im Süden Südamerikas, respektive in Patagonien, und gehört zu Chile. Die Temperaturen lägen dort bei etwa 12–14 Grad. Allerdings sagt die Wettervorhersage für die nächsten zehn Tage nahezu durchgehend Regen voraus. Zudem ist Punta Arenas geografisch so gelegen, dass es lediglich eine Straße nach Norden und eine nach Süden gibt. Aus diesen Gründen habe ich dieses Projekt vorerst verworfen.

Es bleiben jedoch zwei Alternativen. Die erste wäre ein Flug nach Santiago de Chile. Die rund zehn Minuten Chile, die ich bisher „erlebt“ habe, waren alles andere als befriedigend. Ein klarer Vorteil dort ist, dass Mietwagen in Chile extrem günstig sind: Für etwa 130 Franken bekommt man bereits einen soliden Mittelklassewagen für 4-5 Tage.

Die zweite Variante wäre ein Abstecher nach Montevideo in Uruguay. Die Stadt liegt nur rund 150 Kilometer auf der anderen Seite der Bucht, die Argentinien und Uruguay trennt. Man kann entweder bequem mit dem Schiff oder alternativ auch fliegen. Mal sehen, wofür ich mich letztlich entscheiden werde.

Gestern habe ich nochmals einen Ausflug von Bariloche aus in westlicher Richtung zum Lago Perito Moreno gemacht und dabei kurz in der Colonia Suiza Halt gemacht. Die Gegend ist – wie gewohnt – landschaftlich sehr schön. Ein großer Teil der Strecke führt jedoch über Naturstraßen, und durch die gestern recht hohen Temperaturen war alles extrem staubig. Die Colonia selbst war eher eine Enttäuschung. Vielleicht ganz nett für jemanden ohne Bezug zur Schweiz, ansonsten aber vor allem auf Tourismus und Geldmacherei ausgelegt. Wenn ich eine solche Colonia anlegen würde, dann ganz sicher nicht in dieser Form und schon gar nicht an diesem Ort.

Mehr gibt es im Moment nicht zu sagen.
Nos escuchamos.



Sonntag, 18. Januar 2026

San Juan de Bariloche

Am 15. Januar ging es dann endlich los. Diesmal ab dem National Airport, der – im Gegensatz zum internationalen Flughafen – ziemlich zentral liegt, direkt an der Bucht zwischen Argentinien und Uruguay. Klingt idyllisch, wäre da nicht das altbekannte Déjà-vu: Der Flug hatte natürlich wieder fast drei Stunden Verspätung. Wie könnte es auch anders sein.

Zusätzlich musste ich mein Gepäck umorganisieren, da in der Kabine nur etwas in der Größe meines kleinen Koffers erlaubt war. Also wanderte die gesamte Elektronik in den Koffer, der ganze Rest in den Rucksack, den ich aufgeben musste. Trotz dieser logistischen Meisterleistung wurden mir dann noch 30 Dollar verrechnet, weil der Koffer rund zehn Zentimeter zu groß war. Zehn Zentimeter – offenbar eine kritische Maßeinheit in der Luftfahrt.

Im Flugzeug angekommen, erwartete mich dann die arktische Zone. Warum Airlines die Klimaanlage immer auf „Tiefkühltruhe“ einstellen, bleibt mir ein Rätsel. Sämtliche warmen Kleider hatte ich ja aufgegeben. Im Koffer befanden sich lediglich ein paar Hosen, eigentlich gedacht als Polsterung für den Laptop. Diese Zweckentfremdung wurde nun zur Überlebensstrategie: Arme in die Hosenbeine gesteckt, improvisierte Thermoisolation. Die Blicke der Mitreisenden waren leicht irritiert, aber was soll’s – Not macht erfinderisch. Zum Glück wurde die Aircondition nach dem Start etwas humaner eingestellt.

Der Flug dauerte gut zwei Stunden. In Bariloche angekommen, fiel die Temperatur von 34 Grad in Buenos Aires auf rund 14 Grad. Ein klimatischer Kulturschock. Ich steuerte sofort die Rent-a-Car-Schalter an, denn für die fünf geplanten Tage ist ein Auto hier essentiell. Leider waren sämtliche Fahrzeuge bereits vergeben. Bis auf eines: ein SUV für satte 150 Franken pro Tag. Ein saftiger Betrag, aber ohne Auto ist Bariloche praktisch nicht machbar. Also zähneknirschend zugeschlagen.

Bis hierhin hatte alles funktioniert. Doch natürlich musste noch etwas kommen – wie so oft etwas, das mir auf die eine oder andere Art fast einen Herzinfarkt beschert. Noch am Schalter bemerkte ich plötzlich, dass mein Handy weg war. Nein. Nicht schon wieder. Irgendwie passiert mir dieser Mist immer.

Ich ging zurück in die Halle, wo ich das Handy zuletzt benutzt hatte. Nichts. Zwar kann ich grundsätzlich ohne Handy leben, aber darauf war so viel gespeichert, dass ich es unmöglich kurzfristig hätte rekonstruieren können. Ich sprach eine Polizistin an, die am Rand stand und mit kritischem Blick die Touristen beobachtete, und fragte sie, ob sie etwas gesehen hätte. Leider nein.

Also machte ich mich wieder auf den Weg aus dem Flughafen und begann mich langsam mit der Tatsache abzufinden, dass ich nun wirklich ein Problem hatte. Ich hatte keine Ahnung, wo mein Hotel war – sämtliche Informationen befanden sich auf dem Handy.

Und dann hörte ich plötzlich jemanden rufen:
„Mister, I found your mobile.“

Die Polizistin stand vor mir, freudestrahlend, mein Handy in der Hand. Ich habe sie spontan umarmt. Wieder einmal unfassbares Glück. Wer auch immer dafür zuständig ist: Danke.

Anschließend fuhr ich zum Hotel in der Stadt. Ich war ja schon 2007 einmal hier, und die Veränderung ist enorm. Die Natur ist nach wie vor spektakulär, aber die Stadt selbst ist regelrecht explodiert. Am mühsamsten ist jedoch der Verkehr – Hochsaison lässt grüßen. Ich kurvte gut 30 Minuten durch die Stadt, bis ich endlich einen Parkplatz fand. Überall dort, wo weiße Randsteine sind, darf man parken – theoretisch. Praktisch war alles besetzt.

Irgendwann habe ich dann das System verstanden: Man sucht sich selbst eine freie Lücke, parkiert, und sofort taucht ein Parkwächter auf. Von 20:00 Uhr abends bis 08:00 Uhr morgens ist das Parkieren gratis, ebenso samstags ab 14:00 Uhr und den ganzen Sonntag. Ansonsten kostet es 2000 Pesos pro Stunde, was etwa 1.10 Franken entspricht – also immerhin moderat.

Am ersten Tag bin ich etwa halb um den See gefahren, insgesamt rund 240 Kilometer. Das Hotel hier ist sehr gut. Allerdings hatte ich anfangs Probleme mit dem WLAN: Sobald ich im Zimmer war und die Tür schloss, war die Verbindung weg. Quasi digitale Isolation. Ich bekam dann ein anderes Zimmer, in dem das Zeug – hochprofessionell formuliert – tatsächlich funktionierte.

Was etwas mühsam ist, ist der permanente, starke Wind. In meinem Blog von 2007 habe ich nachgelesen, dass das offenbar schon damals so war. Bis jetzt war jedenfalls nichts mit Drohne fliegen. Der Wind ist einfach zu stark, und eine verlorene Drohne reicht mir fürs Leben vollkommen.

Der Wind sorgt zudem dafür, dass es speziell an Seitenstraßen, die in Hauptstraßen münden, zu regelrechten Sandstürmen kommt. Wenn man da durchfährt, sieht man für einen kurzen Moment absolut gar nichts mehr. Blackout auf Patagonisch.

Und noch eine kleine Anekdote zum Schluss: Am ersten Tag bin ich eine Strecke gefahren, die Richtung Chile führt. Eigentlich wollte ich nur in Grenznähe fahren, habe aber das kleine Zollhäuschen übersehen. Ergebnis: Ich war plötzlich in Chile und habe es erst etwa zehn Minuten später realisiert. Kein Zöllner, keine Kontrolle, nichts.

Ich war ja schon einmal drei Tage in Japan. Jetzt war ich halt zehn Minuten in Chile. Man nimmt, was man kriegt.

 



Samstag, 17. Januar 2026

Buenos Aires

Nach mehr als zwei Jahren kreuz und quer durch Europa unterwegs war ich nun fast eineinhalb Monate zu Hause. Das hat es – wie gesagt – seit über zwei Jahren nicht mehr gegeben. Der Grund dafür ist mir völlig klar. Ich habe zwar ein schönes Zuhause und lebe mit einem Teil meiner Familie in einem wirklich angenehmen Haus. Aber mein eigentliches Problem bin ich selbst. Ich weiss schlicht nicht, was ich mit mir anfangen soll, und das ist ein uraltes Thema.

Im Grunde tue ich fast nichts: Musik hören, Filme schauen und ziemlich ratlos aus der Wäsche gucken. Immerhin gibt es Trump. Über den kann ich mich fast täglich aufregen, was meinen Körper – Herz und Blutdruck – zuverlässig in Schwung hält. Wenn ich reise, bin ich deutlich aktiver, selbst wenn es „nur“ Zugfahren, Hotelsuchen oder Sightseeing ist. Und doch stimmt der alte Satz: Man nimmt sich selbst immer mit – und damit auch seine kleinen und grossen Problemchen.

Also, was habe ich gemacht? Ich habe mich spontan für eine fünfwöchige Reise nach Argentinien entschieden. Ich war bereits 2007 einmal dort, und da Argentinien auf der Südhalbkugel liegt, ist dort momentan Sommer. Während wir uns in der Schweiz gerade ziemlich den Arsch abfrieren.

Ich habe also gebucht: Abflug am 15. Januar mit Air France via Paris nach Buenos Aires, Rückflug am 5. Februar.

Der erste Teil des Fluges war pünktlich und angenehm und brachte uns nach Paris Charles de Gaulle. Als ich das letzte Mal dort war, herrschte pures Chaos – Umbauten überall, Passagiere, die wie blinde Hühner durch den Flughafen getorkelt sind. Dieses Mal hingegen war alles überraschend gut organisiert, übersichtlich und entspannt.

Leider hatte der Weiterflug nach Buenos Aires dann satte drei Stunden Verspätung. Die Sitze waren zudem ziemlich eng kalkuliert, obwohl ich bewusst einen Platz mit angeblich etwas mehr Beinfreiheit gewählt hatte. Früher war Air France in dieser Hinsicht deutlich besser. Schade. Durch die Verspätung ergab sich ein weiteres Problem: Ich hatte bereits eine Unterkunft in Buenos Aires gebucht, deren Rezeption nur bis 22:00 Uhr geöffnet war. Während des Fluges hatte ich Internet und fragte im Hotel nach, ob eine Ankunft gegen Mitternacht möglich wäre. Die Begeisterung hielt sich in Grenzen, aber wir einigten uns schliesslich darauf, dass ich die Buchung kostenlos stornieren konnte.

Ich buchte also ein anderes Hotel mit Öffnungszeit bis 23:00 Uhr. Doch auch das erwies sich als knapp, denn Buenos Aires ist eine riesige Stadt und die Taxifahrt vom Flughafen dauerte rund eine Stunde. Zunächst war man auch dort nicht gerade erfreut, willigte dann aber ein, mich bis 00:30 Uhr zu empfangen. Das klappte schliesslich problemlos, und der Mann an der Rezeption entpuppte sich als ausgesprochen hilfsbereit und sympathisch.

Ich blieb zwei Tage in diesem Hotel und zog dann für weitere zwei Tage in ein anderes, nur etwa 300 Meter entfernt. Beide Hotels liegen direkt an der grössten Avenue von Buenos Aires, dort, wo auch der berühmte Obelisk steht. Die Strasse selbst ist eine 16-spurige Schneise durch die Stadt – acht Spuren pro Richtung. Als ich das Hotel zum ersten Mal verliess, bemerkte ich, dass ich mich exakt an dem Ort befand, an dem ich 2007 meine Weltreise begonnen hatte: Das damalige Hostel lag nur eine Seitenstrasse weiter.

Die Temperaturen in Buenos Aires waren nach der beschissenen Kälte in der Schweiz eine wahre Wohltat. Tagsüber bis zu 35 Grad, abends angenehme 25 Grad, dazu trockene Luft – perfekt.

Am zweiten Tag machte ich dann meine inzwischen fast obligatorische Stadtrundfahrt im Hop-on/Hop-off-Bus. Buenos Aires ist zwar eine riesige Stadt, wirkt aber weniger eindrucksvoll, als man vielleicht erwarten würde. Im Vergleich zu Barcelona – mit dem sie am ehesten verglichen wird – fällt sie eher nüchtern aus. Und mit Städten wie Rom oder Paris kann sie ohnehin nicht mithalten.

Normalerweise habe ich kaum Bargeld dabei, da man fast überall auf der Welt problemlos mit Karte bezahlen kann. Hier ist das etwas komplizierter. Aufgrund der extrem hohen Inflation gibt es offenbar fast jährlich neue Banknoten. Der aktuelle Kurs ist absurd: 10’000 Pesos entsprechen etwa 5 Franken. Trotzdem ist das Leben hier insgesamt relativ günstig.

Am vierten Tag entschied ich mich schliesslich, weiter nach Bariloche zu fliegen. Ich kannte den Ort noch von 2007 und war gespannt, ihn nach all den Jahren erneut zu erleben.

Weiter dann in Bariloche.



Freitag, 16. Januar 2026

EU25 Letzte Europareise für den Moment

Am 31. Oktober ging es wieder los. Zunächst – ganz klassisch – mit dem TGV nach Paris, wo ich gefühlt zum dritten Mal im The People Paris Marais übernachtet habe. Langsam wird das fast schon zu einer institutionellen Stammbeiz. Wie bereits erwähnt, verstehe ich mittlerweile endlich auch das Pariser Metro-Netz so gut, dass ich nicht mehr bei jeder Fahrt das falsche Ticket aus dem Automaten fische. Ein persönlicher Meilenstein.

Am 2. November folgte dann das nächste Teilstück: von Paris hinunter nach Barcelona-Sants. Dort bin ich im Paraiso Hostel abgestiegen – gut gelegen, quasi direkt neben der Rambla, also mitten im urbanen Epizentrum.

Am 4. November ging es weiter nach Madrid Atocha, am 6. dann noch weiter runter bis nach Algeciras. Eigentlich hatte ich vor, wieder nach Marokko überzusetzen und bis Marrakesch zu reisen, eventuell sogar erstmals nach Fès. Das Schiffsticket hatte ich bereits (32 Euro, ein echtes Schnäppchen), aber irgendetwas fühlte sich nicht stimmig an. Und man soll ja bekanntlich auf seinen Magen hören – vor allem, wenn er Alarm schlägt.

Also: U-Turn. Zurück Richtung Norden. Zuerst zum zweiten Mal nach Málaga, obwohl mir die Stadt beim ersten Besuch nicht sonderlich gefallen hatte. Diesmal war das Wetter jedoch deutlich besser, was die gesamte Wahrnehmung signifikant aufgewertet hat. Sonne wirkt eben wie ein kostenloses Upgrade.

Am 10. November ging es weiter nach Granada. Dort war ich noch nie – und ich bin sehr froh, diese Bildungslücke geschlossen zu haben. Eine wunderschöne Stadt, insbesondere die Altstadt, die es wirklich in sich hat.

Am 12. November dann zurück nach Madrid Atocha, am 14. weiter nach Barcelona.
Am 15. November ein kurzer Abstecher für einen Tag nach Marseille und am Tag darauf zurück in die Schweiz. Mein Interrail war allerdings noch bis zum 5. Dezember gültig – also noch mehr als zwei Wochen.

Diese zwei Wochen wollte ich natürlich nicht einfach verschenken und entschloss mich am 20. November spontan zu einem erneuten Versuch Richtung Griechenland.

Ich nahm den Zug nach Mailand und von dort einen direkten High-Speed-Zug nach Bari. In Bari war es angenehm warm, die Stimmung passte, und ich hatte ein gutes Gefühl – also kaufte ich mir ein Schiffsticket nach Patras. Am nächsten Morgen sah die Sache allerdings ganz anders aus: Es war kalt, es hat extrem gewindet, und ich musste bis zum Abend des 22. November auf die Überfahrt warten. Zusätzlich checkte ich die Wettervorhersagen für Griechenland und die griechischen Inseln: praktisch täglich Regen und Temperaturen um die 14 Grad. Ich hatte das schon einmal auf Mykonos erlebt – und diese Erfahrung musste ich definitiv kein zweites Mal machen.

Also wieder alles zurück. Neuer U-Turn. Diesmal nach Rom, wo ich im Meininger direkt neben dem Hauptbahnhof übernachtete. Meininger kannte ich bereits aus Berlin, Budapest und Paris – absolut empfehlenswert, konstant solide Qualität. Am 23. November ging es dann über Mailand zurück in die Schweiz.

Und das war’s dann auch. Mehr ließ sich aus dem Interrail nicht mehr herausholen. In den letzten zwei Jahren bin ich mit dem Zug weit über 100’000 Kilometer quer durch Europa gefahren. Und sehr wahrscheinlich werde ich das nächsten Sommer wieder tun – vielleicht nicht nochmals 100’000 Kilometer, aber definitiv wieder ausgiebig. Diesmal mit Fokus auf den Norden und Nordosten Europas.


 

Athen, Bari, Rom, Florenz

Bis und mit 9. März blieb ich auf Syros – ein Ort, der sich definitiv als gefährlich angenehm erwiesen hat. Man gewöhnt sich viel zu sc...