Die letzten drei Tage fasse ich kurz zusammen. Es gab zwar viel zu sehen, aber das lässt sich problemlos in wenigen Sätzen an die Menschheit weitergeben.
Wie erwähnt war ich in Zwolle, einem netten kleinen Städtchen östlich des IJsselmeers. Reges Leben, viele Kanäle und kleine Seen. Da es sehr heiss war, liefen viele Leute praktisch in Badekleidern durch die Strassen. Überall junge Leute, eine schöne, lebendige Atmosphäre. Ich hatte ein schönes Zimmer in einem Hotel mitten im Ort. Im Erdgeschoss befand sich ein ausgezeichnetes Restaurant mit Bar namens «La Rosa».
Am nächsten Morgen stand ich wieder früh auf, um mitten im Dorf die Drohne kurz steigen zu lassen. So gibt es normalerweise keine Probleme und niemand fühlt sich gestört. Leider hatte ich meine Speicherkarte verloren, merkte das aber erst, als ich die Aufnahmen anschauen wollte. Zum Glück speichert die Drohne das Video zusätzlich in einem internen Cache. Die Aufnahme war also nicht verloren, allerdings nur in HD statt in 4K. Was soll's. Auf YouTube fällt das ohnehin kaum jemandem auf.
Also kaufte ich gleich eine neue Speicherkarte. Ich Depp achtete allerdings zu wenig auf die Schreibgeschwindigkeit. Bei der nächsten Aufnahme erschien sofort die Meldung, dass die Karte zu langsam sei und deshalb wiederum nur in HD aufgenommen werden könne. Zum Glück war es nur eine 64-GB-Karte für 33 Euro. Also das Ganze noch einmal: Diesmal kaufte ich eine richtig schnelle Karte mit 512 GB – die allerdings auch stolze 107 Euro kostete. Irgendwie habe ich das Gefühl, die Speicherkartenindustrie lebt von Leuten wie mir.
Mein nächstes Ziel waren die berühmten holländischen Windmühlen. Also fuhr ich wieder Richtung Süden bis auf die Höhe von Rotterdam. Rund 20 Kilometer östlich davon liegt Kinderdijk. Dort stehen mehr als zwanzig historische Windmühlen, die vermutlich wegen der günstigen Windverhältnisse genau an diesem Ort gebaut wurden. Obwohl sie über 200 Jahre alt sind, funktionieren viele davon noch heute. Dank der Drohne konnte ich dort einige wirklich schöne Fotos machen.
Übernachtet habe ich anschliessend in einem schönen alten Hotel mitten in Rotterdam. Allerdings war auch hier das Parkieren wieder eine kleine Geduldsprobe. Zum Glück verfügte das Hotel über einen Parkplatz im Innenhof, der allerdings 35 Euro pro Nacht kostete. Wie auch immer – das Hineinfahren war die eigentliche Herausforderung. Ich musste beide Aussenspiegel einklappen und hatte am Schluss auf jeder Seite wohl noch zwei bis drei Zentimeter Luft. Mehr wäre vermutlich schon als Renovation des Torbogens durchgegangen. Aber es hat tatsächlich ohne Kratzer funktioniert.
Am nächsten Morgen wollte ich Rotterdam noch ein wenig erkunden, stellte aber nach etwa einer halben Stunde Herumlatschen mit leichtem Entsetzen fest, dass bereits der 30. Juni war. Ich war die ganze Zeit überzeugt gewesen, wir hätten erst den 29. Juni und ich würde am Nachmittag gemütlich nach Den Haag fahren, dort nochmals übernachten und das Auto erst am nächsten Tag zurückgeben.
War wohl nichts.
Ich musste noch am selben Tag zurück nach Amsterdam, und damit war Den Haag leider gestrichen. Stattdessen fuhr ich noch kurz nach Hoek van Holland, jenem Teil des Hafens, von dem früher das grosse Luftkissenboot «Hovercraft» als Fähre nach England verkehrte.
Gegen 17:30 Uhr war ich zurück in Amsterdam und gab mein Auto ab. Anschliessend übernachtete ich wieder in einem Hotel direkt neben dem Hauptbahnhof.
Am nächsten Morgen sollte es dann nach Hause gehen. Leider waren sämtliche direkten Züge von Amsterdam nach Paris und auch jene von Paris nach Basel auf Tage hinaus ausgebucht. Mir blieb nur eine ziemlich abenteuerliche Verbindung über Lille Flandres mit viermal Umsteigen.
Das erste Umsteigen hätte bereits am Flughafen Amsterdam Schiphol stattfinden sollen. Dort angekommen erhielt ich dann genau jene Meldung, die ich normalerweise eher von der Deutschen Bahn erwarte: Alle Züge über Lille fallen aus. Damit war meine ganze sorgfältig geplante Reise auf einen Schlag hinfällig, und die Reservationen für insgesamt immerhin 45 Euro waren ebenfalls verloren.
Ich überlegte mir bereits, kurzfristig nach Zürich zu fliegen, aber rund 400 Franken waren mir dann doch etwas zu viel. Zum Glück traf ich bei den Niederländischen Staatsbahnen auf eine ausgesprochen hilfsbereite Mitarbeiterin. Diese nette Fee hinter dem Schalter organisierte mir tatsächlich noch einen Platz im direkten Nightjet von Amsterdam nach Basel. Zwar kein Couchette, aber dafür ohne Umsteigen. Ich brachte also die verbleibenden acht Stunden bis zur Abfahrt irgendwie hinter mich und fuhr pünktlich um 20:15 Uhr los.
Das Beste kam zum Schluss: Ich hatte das Viererabteil die ganze Fahrt über für mich allein und konnte die rund neun Stunden bis Basel praktisch durchschlafen. Ein schöneres Ende dieser Reise hätte ich mir kaum wünschen können.
Drohne über Kinderdijk Windmühlen
