Sonntag, 19. Juli 2026

Inverness, Wick, Thurso, Durness & Inchnadamph

Nach Thurso ging es weiter in Richtung Durness und am nächsten Tag wieder südwärts nach Inchnadamph – einem Ort mit einem Namen, den vermutlich nicht einmal die Einheimischen fehlerfrei aussprechen können.

Diese Etappe führte mich durch den wohl wildesten Teil der schottischen Highlands. Eine spektakuläre Landschaft mit unzähligen kleinen und grossen Seen, schroffen Bergen und einer Weite, die man kaum beschreiben kann. Das Wetter zeigte sich allerdings von seiner typisch schottischen Seite: grau, kühl und eher ungemütlich. Zum Glück hatte ich nach meiner Erfahrung in Inverness in Wick eine warme Jacke gekauft. Per Zufall kam ich dort an einem Secondhand-Laden vorbei und sah sie sofort. Fast wie neu, eine schöne Farbe, angenehm warm und der Preis? Ganze fünf Pfund. Für diesen Betrag bekommt man heutzutage ja kaum noch einen Kaffee.

Von Durness bis Inchnadamph besteht ungefähr die Hälfte der Strecke aus einer einspurigen Strasse mit kleinen Ausweichbuchten im Abstand von etwa 500 Metern. Ich hatte zuerst befürchtet, dass das ein einziges Chaos wird. Das Gegenteil war der Fall. Alle Fahrer waren ausgesprochen rücksichtsvoll. Wer Platz hatte, wich aus, liess den anderen passieren und meistens wurde sich danach noch freundlich zugewinkt. So einfach kann Strassenverkehr sein.

Als ich in Inchnadamph bei meiner Unterkunft ankam, dachte ich zuerst, ich hätte entweder die falsche Adresse oder Booking.com hätte sich beim Preis vertippt. Eine lange Einfahrt führte durch einen riesigen Park zu einem wunderschönen, gepflegten Haus, das aussah wie ein altes englisches Herrenhaus aus einem Film. Für 35 Pfund pro Nacht? Das konnte doch nicht stimmen. Aber doch – alles war korrekt und es war eine der schönsten Unterkünfte der ganzen Reise.

Am Abend machte ich noch einen Drohnenflug. Und dann passierte genau das, was ich eigentlich nie mehr erleben wollte.

Obwohl der Akku laut Anzeige noch ungefähr halb voll war, meldete die Drohne plötzlich, dass sie wegen niedriger Batterie automatisch zurückkehren werde. Sie flog tatsächlich zurück, schaffte es aber nicht ganz. Etwa 200 Meter vor mir setzte sie zur Landung an, weil die verbleibende Energie nicht mehr ausreichte.

Genau dasselbe war mir schon einmal in Narvik mit meiner ersten Drohne passiert. Immerhin wusste ich ungefähr, wo sie heruntergekommen sein musste. Zusätzlich hatte ich noch das kleine Video mit den letzten fünf Sekunden der Aufnahme.

Das Problem war nur: Die Drohne lag irgendwo in einem riesigen Feld mit etwa 50 Zentimeter hohen Farnpflanzen. Dazwischen verlief auch noch ein kleiner Bach.

Also Schuhe aus und los.

Ich watete barfuss durch das eiskalte Wasser. Kurz bevor ich das andere Ufer erreichte, rutschte ich aus und landete mit dem Hintern mitten im Bach. Nass war ich nun ohnehin, also konnte es weitergehen. Danach musste ich noch über einen kleinen Metallzaun klettern und stand schliesslich mitten in diesem Farnfeld – immer noch barfuss. Das war keine besonders gute Idee. Nach rund zwanzig Minuten Suchaktion waren meine Füsse voller kleiner Schnitte und bluteten bereits ordentlich. Von der Drohne hingegen keine Spur.

Irgendwann musste ich mir eingestehen, dass die Schmerzen grösser waren als meine Motivation. Ich gab auf und stapfte enttäuscht zurück.

Na toll. Schon wieder eine Drohne verloren.

Zurück in der Unterkunft teilte ich mein Zimmer mit drei Schweizern. Als ich ihnen die Geschichte erzählte, bot einer der Männer sofort an, mit mir nochmals auf die Suche zu gehen. Das fand ich unglaublich nett und nahm das Angebot natürlich sofort an.

Diesmal gingen wir allerdings nicht mehr direkt durch den Bach, sondern fanden etwas weiter unten einen Weg, über den wir trockenen Fusses auf die andere Seite gelangten.

Keine fünf Minuten nachdem wir wieder mit der Suche begonnen hatten, rief mein Begleiter plötzlich: «Ich glaube, ich habe sie!»

Ich konnte es kaum glauben. Tatsächlich lag sie dort – praktisch unversehrt. Kein Propeller kaputt, keine sichtbaren Schäden, einfach alles in Ordnung.

Wenn er eine Frau gewesen wäre, hätte ich ihn wahrscheinlich geküsst. 😃

An dieser Stelle nochmals ein ganz herzliches Dankeschön. Ohne seine Hilfe würde die Drohne wahrscheinlich heute noch irgendwo zwischen den Farnpflanzen liegen.

Heute ist der 19. Juli. Das Mietauto muss ich spätestens am 22. Juli um 11.00 Uhr in Inverness zurückgeben. Ob ich heute bereits dorthin zurückfahre, weiss ich noch nicht. Ich möchte unbedingt noch zum Loch Ness und das Schlachtfeld besuchen, das in der Serie Outlander eine wichtige Rolle spielt. Mal sehen, was zeitlich noch drinliegt.

Mit Drohne über Strathpeffer 


 

 

 

Freitag, 17. Juli 2026

Schottland via Paris, London, Edinburgh und Inverness

Seit dem 13. Juli bin ich wieder unterwegs. Nach wie vor liegt fast ganz Europa unter einem Hochdruckgebiet mit Temperaturen von teilweise über 40 Grad.

Nachdem ich ja eben erst von Polen und Rumänien zurückgekehrt war, wollte ich eigentlich gleich wieder in dieselbe Richtung aufbrechen und mir noch Bulgarien "reinziehen". Daraus wurde allerdings nichts, denn sämtliche Nachtzüge nach Budapest und weiter nach Bukarest und schliesslich nach Sofia waren bereits für die nächsten zwei Wochen ausgebucht. So lange wollte ich aber nicht warten. Mein Interrail-Pass ist schliesslich nur noch bis zum 22. August gültig und jeder Tag, an dem ich ihn nicht benutze, ist irgendwie ein verlorener Tag.

Also entschied ich mich kurzerhand für genau die entgegengesetzte Richtung: England. Ich war zwar schon einige Male dort und hatte es jeweils bis nach Inverness geschafft, aber noch nie ganz hinauf in den hohen Norden der Highlands.

Ich hatte sogar Glück und konnte meine Reservationen so buchen, dass ich morgens um 08:30 Uhr in Luzern losfahren, über Basel nach Paris Gare de Lyon und von dort gleich weiter nach London reisen konnte. Von Luzern nach London an einem einzigen Tag – der Plan war perfekt.

Bis Basel lief auch alles wie am Schnürchen. Danach passierte allerdings etwas, das man eigentlich eher von der Deutschen Bahn erwartet. Der Zug von Basel nach Paris wurde annulliert. Als Alternative gab es eine Verbindung über Mulhouse. Diese fuhr jedoch mehr als eine Stunde später ab, wodurch ich meinen Anschluss von Paris nach London verpasste. Damit waren sämtliche Reservationen für Basel–Paris–London wertlos. Kostenpunkt: 55 Franken. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Ganz verlassen hatte mich das Glück aber doch nicht. Ich konnte neue Reservationen über Mulhouse buchen und fand sogar nochmals einen Platz im Eurostar nach London. Allerdings erst um 20:30 Uhr. Das bedeutete vier Stunden Wartezeit in Paris. Es gibt definitiv schlechtere Städte, um ein paar Stunden totzuschlagen.

Wie auch immer – schlussendlich klappte alles und ich kam um 22:30 Uhr in London an. Von dort ging es direkt mit der Piccadilly Line zur Station Earl's Court, wo ich erneut in einer Unterkunft übernachtete, die ich bereits von früher kannte.

Am nächsten Tag fuhr ich mit dem Zug weiter von London nach Edinburgh und anschliessend hinauf nach Inverness, wo ich erst um 22:20 Uhr ankam. In der Annahme, dass es überall in Europa heiss oder wenigstens angenehm warm sei, hatte ich ausschliesslich T-Shirts eingepackt. Dafür habe ich mir in Inverness dann fast den Hintern abgefroren. Es hatte gerade einmal etwa 14 Grad und dazu blies ein recht kalter Wind. Zum Glück war das Hostel angenehm beheizt, sodass ich die Nacht unbeschadet überstand.

Am nächsten Morgen konnte ich meinen Mietwagen übernehmen. Ich hatte ihn für sieben Tage gemietet. Der Preis lag bei 290 Franken inklusive einer Versicherung, die wirklich alles abdeckt. Gegen 11 Uhr machte ich mich auf den Weg Richtung Wick, der nördlichsten Stadt auf dem schottischen Festland an der Ostküste.

Das Wetter hatte mit den Verhältnissen in Polen und Rumänien allerdings nicht mehr viel gemeinsam. Die Temperaturen kletterten nur knapp über 20 Grad und meistens lag ein leichter Dunst über der Landschaft. Immerhin blieb es trocken. Zum Glück weiss ich inzwischen auch, wie ich meine Fotos mit ChatGPT so bearbeiten kann, dass sie aussehen, als wären sie bei strahlend blauem Himmel mitten im Hochsommer aufgenommen worden.

In Wick übernachtete ich und fuhr am nächsten Morgen noch weiter nach Norden zu einem Leuchtturm, wo ich zum ersten Mal in England beziehungsweise Schottland meine Drohne starten konnte. Anschliessend ging es westwärts nach Thurso. Dort befindet sich der nördlichste Bahnhof Grossbritanniens. Von hier könnte man theoretisch direkt bis nach London fahren – eine ziemlich eindrückliche Strecke.

Aktuell bin ich in Thurso. Soeben habe ich die nächsten paar Tage geplant, denn nun beginnt ein Teil Schottlands, der fast unbewohnt ist. Wieder einmal hatte ich Glück und konnte mir für die kommenden drei Nächte Unterkünfte für lediglich 30 bis 40 Pfund sichern. Es waren jeweils die allerletzten verfügbaren Zimmer. Alle anderen Unterkünfte lagen preislich bei 240 Pfund oder noch deutlich höher. Offenbar ist Einsamkeit heutzutage ein Luxusgut.

Auch beim Tanken muss man in dieser Gegend etwas vorausdenken. Ich habe mir deshalb vorsorglich die Karten für die Navigation heruntergeladen, weil es hier teilweise überhaupt keinen Handyempfang geben soll.

Morgen geht es weiter nach Durness, immer der spektakulären Nordküste Schottlands entlang. Ich bin gespannt, was mich dort oben erwartet.

Drohne über Duncansby Head 


 

Donnerstag, 2. Juli 2026

Kinderdijk, Rotterdam, Amsterdam, Luzern

Die letzten drei Tage fasse ich kurz zusammen. Es gab zwar viel zu sehen, aber das lässt sich problemlos in wenigen Sätzen an die Menschheit weitergeben.

Wie erwähnt war ich in Zwolle, einem netten kleinen Städtchen östlich des IJsselmeers. Reges Leben, viele Kanäle und kleine Seen. Da es sehr heiss war, liefen viele Leute praktisch in Badekleidern durch die Strassen. Überall junge Leute, eine schöne, lebendige Atmosphäre. Ich hatte ein schönes Zimmer in einem Hotel mitten im Ort. Im Erdgeschoss befand sich ein ausgezeichnetes Restaurant mit Bar namens «La Rosa».

Am nächsten Morgen stand ich wieder früh auf, um mitten im Dorf die Drohne kurz steigen zu lassen. So gibt es normalerweise keine Probleme und niemand fühlt sich gestört. Leider hatte ich meine Speicherkarte verloren, merkte das aber erst, als ich die Aufnahmen anschauen wollte. Zum Glück speichert die Drohne das Video zusätzlich in einem internen Cache. Die Aufnahme war also nicht verloren, allerdings nur in HD statt in 4K. Was soll's. Auf YouTube fällt das ohnehin kaum jemandem auf.

Also kaufte ich gleich eine neue Speicherkarte. Ich Depp achtete allerdings zu wenig auf die Schreibgeschwindigkeit. Bei der nächsten Aufnahme erschien sofort die Meldung, dass die Karte zu langsam sei und deshalb wiederum nur in HD aufgenommen werden könne. Zum Glück war es nur eine 64-GB-Karte für 33 Euro. Also das Ganze noch einmal: Diesmal kaufte ich eine richtig schnelle Karte mit 512 GB – die allerdings auch stolze 107 Euro kostete. Irgendwie habe ich das Gefühl, die Speicherkartenindustrie lebt von Leuten wie mir.

Mein nächstes Ziel waren die berühmten holländischen Windmühlen. Also fuhr ich wieder Richtung Süden bis auf die Höhe von Rotterdam. Rund 20 Kilometer östlich davon liegt Kinderdijk. Dort stehen mehr als zwanzig historische Windmühlen, die vermutlich wegen der günstigen Windverhältnisse genau an diesem Ort gebaut wurden. Obwohl sie über 200 Jahre alt sind, funktionieren viele davon noch heute. Dank der Drohne konnte ich dort einige wirklich schöne Fotos machen.

Übernachtet habe ich anschliessend in einem schönen alten Hotel mitten in Rotterdam. Allerdings war auch hier das Parkieren wieder eine kleine Geduldsprobe. Zum Glück verfügte das Hotel über einen Parkplatz im Innenhof, der allerdings 35 Euro pro Nacht kostete. Wie auch immer – das Hineinfahren war die eigentliche Herausforderung. Ich musste beide Aussenspiegel einklappen und hatte am Schluss auf jeder Seite wohl noch zwei bis drei Zentimeter Luft. Mehr wäre vermutlich schon als Renovation des Torbogens durchgegangen. Aber es hat tatsächlich ohne Kratzer funktioniert.

Am nächsten Morgen wollte ich Rotterdam noch ein wenig erkunden, stellte aber nach etwa einer halben Stunde Herumlatschen mit leichtem Entsetzen fest, dass bereits der 30. Juni war. Ich war die ganze Zeit überzeugt gewesen, wir hätten erst den 29. Juni und ich würde am Nachmittag gemütlich nach Den Haag fahren, dort nochmals übernachten und das Auto erst am nächsten Tag zurückgeben.

War wohl nichts.

Ich musste noch am selben Tag zurück nach Amsterdam, und damit war Den Haag leider gestrichen. Stattdessen fuhr ich noch kurz nach Hoek van Holland, jenem Teil des Hafens, von dem früher das grosse Luftkissenboot «Hovercraft» als Fähre nach England verkehrte.

Gegen 17:30 Uhr war ich zurück in Amsterdam und gab mein Auto ab. Anschliessend übernachtete ich wieder in einem Hotel direkt neben dem Hauptbahnhof.

Am nächsten Morgen sollte es dann nach Hause gehen. Leider waren sämtliche direkten Züge von Amsterdam nach Paris und auch jene von Paris nach Basel auf Tage hinaus ausgebucht. Mir blieb nur eine ziemlich abenteuerliche Verbindung über Lille Flandres mit viermal Umsteigen.

Das erste Umsteigen hätte bereits am Flughafen Amsterdam Schiphol stattfinden sollen. Dort angekommen erhielt ich dann genau jene Meldung, die ich normalerweise eher von der Deutschen Bahn erwarte: Alle Züge über Lille fallen aus. Damit war meine ganze sorgfältig geplante Reise auf einen Schlag hinfällig, und die Reservationen für insgesamt immerhin 45 Euro waren ebenfalls verloren.

Ich überlegte mir bereits, kurzfristig nach Zürich zu fliegen, aber rund 400 Franken waren mir dann doch etwas zu viel. Zum Glück traf ich bei den Niederländischen Staatsbahnen auf eine ausgesprochen hilfsbereite Mitarbeiterin. Diese nette Fee hinter dem Schalter organisierte mir tatsächlich noch einen Platz im direkten Nightjet von Amsterdam nach Basel. Zwar kein Couchette, aber dafür ohne Umsteigen. Ich brachte also die verbleibenden acht Stunden bis zur Abfahrt irgendwie hinter mich und fuhr pünktlich um 20:15 Uhr los.

Das Beste kam zum Schluss: Ich hatte das Viererabteil die ganze Fahrt über für mich allein und konnte die rund neun Stunden bis Basel praktisch durchschlafen. Ein schöneres Ende dieser Reise hätte ich mir kaum wünschen können.

Drohne über Kinderdijk Windmühlen


 


 

Ungarn Rundfahrt July 2026