Am 18. Juni ging es weiter, nachdem ich mein Auto zurückgegeben hatte. Der Zug mit Liegewagen verliess Bukarest um 16:00 Uhr. Ich hatte ein Bett (Lower Bed) in einem Sechser-Abteil reserviert. Glücklicherweise waren alle Mitreisenden angenehme Zeitgenossen, was die Fahrt entsprechend angenehm machte. Die Besetzung bestand aus vier Männern und zwei Frauen – eine erstaunlich harmonische Mischung für ein so kleines Abteil.
Die Strecke führte von Bukarest über Budapest nach Wien, wo wir am nächsten Morgen kurz vor 10:00 Uhr ankamen.
Ich wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht genau, wie es weitergehen sollte. Mein Ziel war Polen, und ich hatte die Wahl, entweder direkt nach Krakau zu fahren oder über Katowice zu reisen und dabei einen Zwischenstopp in Oświęcim einzulegen, dem Ort des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz. Eigentlich war genau das mein Plan. Leider sollte es anders kommen.
Auschwitz beziehungsweise Oświęcim ist nicht einfach spontan zugänglich. Man benötigt ein Eintrittsticket, das online reserviert werden muss. Ich versuchte mein Glück, allerdings ohne Erfolg. Erstens kostete der Eintritt – sofern ich das richtig verstanden hatte – rund 130 Euro. Zweitens waren sämtliche verfügbaren Termine für die nächsten sechs Tage bereits ausgebucht. Schade. Es sollte wohl nicht sein. Immerhin habe ich es versucht.
Also kaufte ich stattdessen eine Reservation nach Krakau. Soweit war alles in Ordnung. Leider hatte mein Zug rund zwanzig Minuten Verspätung. Ich wartete auf dem Perron, dann fuhr ein Zug ein, und ich stieg ein. Nach kurzer Zeit beschlich mich jedoch das Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmen konnte. Der Zug hielt nämlich nicht an den Stationen, an denen er eigentlich hätte halten sollen.
Ich erkundigte mich bei meinen Mitreisenden und erfuhr, dass ich offenbar im falschen Zug sass. Mein verspäteter Zug war noch gar nicht angekommen, und der nachfolgende Zug war bereits eingefahren. Dieser fuhr allerdings nach Bratislava.
Wie auch immer – dank Interrail war das kein wirkliches Problem. Also fuhr ich kurzerhand nach Bratislava und bestieg dort den Zug, der mich schliesslich nach Krakau bringen sollte. Allerdings mit nicht weniger als drei Umstiegen.
Damit hatte ich innerhalb von nur 24 Stunden vier Hauptstädte besucht: Bukarest, Budapest, Wien und Bratislava. Der letzte Zug führte mich dann von der Slowakei über Tschechien nach Polen.
Schlussendlich kam ich doch noch in Krakau an und verbrachte dort meine erste Nacht. Leider zeigte sich das Wetter am nächsten Tag zunächst wenig kooperativ. Am Vormittag regnete es, doch zum Glück klarte es später auf. Am Nachmittag herrschte wieder strahlend blauer Himmel, und die Temperaturen kletterten auf offiziell 30 Grad.
Heute habe ich mir erneut ein Auto gemietet, das ich morgen um 10:00 Uhr übernehmen kann. Es wird ein Renault Clio für sechs Tage, Kostenpunkt 260 Euro inklusive Vollkaskoversicherung.
Morgen geht es wieder los. Wohin genau, das wird sich zeigen. Aber zumindest diesmal kenne ich bereits das Verkehrsmittel – und es fährt nicht auf Schienen.
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