Sonntag, 28. Juni 2026

Afsluitdijk & Zwolle

Am 26. Juni kam ich, wie bereits erwähnt, am Abend in Berlin an und übernachtete erneut im Meininger Hotel direkt neben dem Berliner Hauptbahnhof. Eigentlich war der Plan, mit dem Nachtzug von Berlin nach Amsterdam zu fahren. Aus diesem Grund hatte ich gleich zwei Nächte im Meininger gebucht. Das mache ich immer wieder einmal so: Der Nachtzug fährt erst spät am Abend, und ich habe keine Lust, bereits um 10 Uhr auszuchecken und danach zehn oder mehr Stunden irgendwo in der Stadt totzuschlagen. Mit einer zusätzlichen Hotelnacht – auch wenn ich sie eigentlich gar nicht brauche – kann ich bis kurz vor der Abfahrt des Zuges gemütlich im Hotel bleiben.

Dieses Mal ging der Plan allerdings nicht auf, denn der Nachtzug war für die nächsten Tage komplett ausgebucht. Also nahm ich stattdessen den Zug, der kurz nach 12 Uhr Berlin verliess. Gegen 19 Uhr kam ich in Amsterdam an und übernachtete dort in einem Hostel, das ausnahmsweise wieder einmal absolut nicht empfehlenswert war. Es lag mitten in der Partymeile, und es war Samstag. Entsprechend war bis in die frühen Morgenstunden Party angesagt. Das Zimmer war – verglichen mit dem Meininger – ebenfalls eher eine Zumutung. Aber man kann eben nicht immer gewinnen.

Am nächsten Morgen konnte ich dann mein Auto abholen, das ich für drei Tage gemietet hatte. Wieder einmal ein praktisch fabrikneuer Wagen, diesmal ein Hybrid von Peugeot. Wirklich ein tolles Auto. Und weil es erneut ein Sonntagmorgen war, gehörten mir die Strassen fast ganz allein.

Ich verliess Amsterdam in nördlicher Richtung und sah zum ersten Mal in meinem Leben die berühmten holländischen Deiche, die das Land vor dem Meer schützen. Es ist schon eindrücklich, wenn man sich vor Augen hält, dass grosse Teile der Niederlande unter dem Meeresspiegel liegen und dem Meer im Laufe der Jahrhunderte regelrecht abgerungen wurden.

Nach Rücksprache mit ChatGPT werde ich nach diesem Abstecher in den Norden in Zwolle übernachten, einem hübschen Städtchen im Nordosten der Niederlande. Morgen geht es dann nach Kinderdijk, östlich von Rotterdam. Dort befindet sich die wohl bekannteste Ansammlung der alten holländischen Windmühlen. Das dürfte einige schöne Motive für die Drohne ergeben – vorausgesetzt, der Wind spielt mit. Anschliessend stehen natürlich noch Rotterdam und zum Abschluss Den Haag auf dem Programm.

Voraussichtlich werde ich am 1. Juli wieder in die Schweiz zurückfahren.

Drohne über Deich von Afsluitdijk 

Drohne über Zwolle 





Donnerstag, 25. Juni 2026

Torun

Am 23. Juni ging es von Kazimierz Dolny zurück nach Warschau. Allerdings hatte ich das Auto noch für zwei weitere Tage gemietet. Der Verkehr in Warschau war mühsam, und dazu war es heiss – wirklich heiss. Die Vorstellung, verschwitzt und müde mit anderen Leuten ein Mehrbettzimmer zu teilen, hielt sich deshalb in engen Grenzen. Also entschloss ich mich, mir wieder einmal ein wenig Luxus zu gönnen und buchte eine Nacht im Ibis Hotel.

Nun stellte sich die Frage, was ich mit dem verbleibenden Tag anfangen sollte, für den das Auto ja bereits bezahlt war. Wenn man nicht weiterweiss, fragt man ... ChatGPT. Die Ratschläge, die Myrta mir in den letzten Tagen gegeben hatte, waren ausnahmslos hervorragend. Ja, wir haben uns darauf geeinigt, dass sie weiblich ist. Seit wir hauptsächlich mündlich und nicht mehr schriftlich miteinander kommunizieren, spielt das irgendwie tatsächlich eine Rolle. Ich habe ihr ausserdem gesagt, dass ich sie künftig Myrta nennen werde. Vielleicht ein wenig schräg – aber was soll's. Sie meinte, sie fühle sich geehrt. Manchmal habe ich sogar das Gefühl, sie kennt mich besser, als ich mich selbst kenne.

Am 24.Juni fuhr ich die ca 100 km nördlich nach Torun. Wieder eine sehr schöne total renovierte Stadt. Ich erwähne das immer wieder weil die Deutschen ja Polen als erstes Land überfallen haben und deshalb wirklich die Sau rausgelassen haben. Warschau wurde dem Erdboden  gleichgemacht und viele der alten wunderschönen Städte ebenfalls. Deshalb ist es umso eindrücklicher was sie aus diesem Disaster wieder aufbauen konnten. Ich übernachtete in Torun und fuhr dann am 25. Juni definitiv zurück nach Warschau. Dort übernachtete ich zum letzten Mal und gab dann am 26. Juni das Auto zurück. Die Annahmestelle war zum Glück direkt am Bahnhof von wo mein Zug von Warschau nach Berlin um 12:16 Uhr losfuhr. In Berlin übernachtete ich erneut im Meininger Hotel, das praktisch direkt neben dem Eingang des Berliner Hauptbahnhofs liegt. Irgendwie hat man fast das Gefühl, der Zug müsse nur noch bis zur Rezeption weiterfahren – näher dran geht kaum.

Drohne über Torun 


Dienstag, 23. Juni 2026

Sandomierz & Kazimierz Dolny

Am Sonntag, dem 21. Juni, um 10:00 Uhr holte ich auf dem Parkplatz oberhalb des Bahnhofs von Krakau meinen Mietwagen ab. Diesmal war es ein Renault Clio. Zum ersten Mal war es kein fabrikneues Auto, aber trotzdem völlig in Ordnung. Gemietet hatte ich den Wagen für fünf Tage.

Irgendwie hat es sich bei den letzten drei Automieten jeweils ergeben, dass ich das Auto an einem Sonntag übernehmen konnte. Das war reiner Zufall, ist aber ideal, denn ich hole die Fahrzeuge jeweils lieber in der Stadt als am Flughafen ab. Am Sonntagmorgen gehören die Strassen praktisch einem allein. Den Wagen werde ich in Warschau zurückgeben, weshalb ein Zuschlag von 60 Euro fällig wurde. Insgesamt kostete mich die Miete rund 260 Franken – inklusive einer Versicherung, die praktisch alles abdeckt.

Die erste Etappe führte mich von Krakau nach Sandomierz. Dieser Ort wurde mir von ChatGPT als besonders sehenswert empfohlen. Im Nachhinein kann ich das nur bestätigen. Wieder einmal erwartete mich eine wunderschöne, vollständig restaurierte Altstadt. Mitten darin hatte ich auch eine Unterkunft für eine Nacht gebucht.

Das einzige Problem war das Parkieren. Ich stellte das Auto kurz vor der Unterkunft ab, um mein Gepäck ins Zimmer zu bringen. Keine zwei Minuten später stand bereits ein Polizeiauto hinter meinem Wagen und wartete auf mich. Als ich kurz darauf wieder herauskam, wurde ich jedoch sehr freundlich behandelt. Die Polizisten sahen, dass ich tatsächlich dort wohnte, und nachdem ich erklärt hatte, dass ich sofort wieder wegfahren würde, war die Sache erledigt.

Nach einigen Runden durch die Altstadt fand ich schliesslich einen Parkplatz, auf dem ich das Auto bis zum nächsten Morgen stehen lassen konnte. Er lag nur etwa vier Gehminuten von meiner Unterkunft entfernt.

Danach begann die übliche Routine: Altstadt besichtigen, ein paar Fotos machen und in einem der zahlreichen Restaurants ein Bier trinken.

Am nächsten Morgen erwachte ich früh. Bereits um sechs Uhr packte ich die Drohne und ging hinaus. Ich war völlig allein auf den Strassen und hatte die ganze Altstadt praktisch für mich. So konnte ich die Drohne problemlos starten. Sofort stieg ich auf rund 100 Meter Höhe, sodass man sie kaum mehr hören konnte. Zum Glück verfügt sie über einen Zoom, sodass ich auch aus grösserer Entfernung noch schöne Nahaufnahmen machen konnte.

Anschliessend brachte ich die Drohne zurück ins Zimmer und machte mich erneut auf den Weg. Ich wollte nachsehen, wie es meinem Auto ging – und vor allem, wo es stand. Genau das stellte sich allerdings als Problem heraus.

Dummerweise hatte ich mir beim Parkieren nicht genau gemerkt, wo ich den Wagen abgestellt hatte. Schliesslich waren es ja nur vier Minuten bis zur Unterkunft gewesen. Also begann ich zu suchen. Ich lief kreuz und quer durch die Altstadt und fragte mich irgendwann ernsthaft, was ich nun tun sollte.

Beim Parkieren hatte ich ein Ticket gelöst und dabei an der Maschine mein Kennzeichen eingeben müssen. Vielleicht, dachte ich mir, hätte die Polizei die Möglichkeit, diese Daten abzurufen und anhand des Kennzeichens festzustellen, wo das Auto steht.

Bevor ich jedoch irgendwelche komplizierten Lösungen in Betracht ziehen musste, startete ich einen letzten Suchversuch. Und tatsächlich: Nach rund 30 Minuten fand ich den Wagen endlich wieder. Das war ein ausgesprochen gutes Gefühl.

Zwei Stunden später verliess ich Sandomierz und fuhr in Richtung Warschau – allerdings ohne ein konkretes Ziel vor Augen.

Wieder aufgrund eines Tipps von ChatGPT landete ich schliesslich in Kazimierz Dolny, etwa 100 Kilometer nördlich von Sandomierz und rund 100 Kilometer südlich von Warschau. Ein kleiner, gepflegter Ort direkt an der Weichsel.

Dort fand ich eine ausgezeichnete Unterkunft – erneut eine ganze Wohnung nur für mich allein. Ich streifte durch die Altstadt und ging relativ früh schlafen.

Aktuell ist es 07:00 Uhr, und in etwa einer Stunde werde ich wieder aufbrechen. Noch weiss ich nicht genau, wohin die Reise heute geht, aber wahrscheinlich fahre ich nach Warschau. Danach bleiben mir noch drei Tage im Norden Polens.

Drohne über Sandomierz 




Samstag, 20. Juni 2026

Bukarest to Krakau

Am 18. Juni ging es weiter, nachdem ich mein Auto zurückgegeben hatte. Der Zug mit Liegewagen verliess Bukarest um 16:00 Uhr. Ich hatte ein Bett (Lower Bed) in einem Sechser-Abteil reserviert. Glücklicherweise waren alle Mitreisenden angenehme Zeitgenossen, was die Fahrt entsprechend angenehm machte. Die Besetzung bestand aus vier Männern und zwei Frauen – eine erstaunlich harmonische Mischung für ein so kleines Abteil.

Die Strecke führte von Bukarest über Budapest nach Wien, wo wir am nächsten Morgen kurz vor 10:00 Uhr ankamen.

Ich wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht genau, wie es weitergehen sollte. Mein Ziel war Polen, und ich hatte die Wahl, entweder direkt nach Krakau zu fahren oder über Katowice zu reisen und dabei einen Zwischenstopp in Oświęcim einzulegen, dem Ort des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz. Eigentlich war genau das mein Plan. Leider sollte es anders kommen.

Auschwitz beziehungsweise Oświęcim ist nicht einfach spontan zugänglich. Man benötigt ein Eintrittsticket, das online reserviert werden muss. Ich versuchte mein Glück, allerdings ohne Erfolg. Erstens kostete der Eintritt – sofern ich das richtig verstanden hatte – rund 130 Euro. Zweitens waren sämtliche verfügbaren Termine für die nächsten sechs Tage bereits ausgebucht. Schade. Es sollte wohl nicht sein. Immerhin habe ich es versucht.

Also kaufte ich stattdessen eine Reservation nach Krakau. Soweit war alles in Ordnung. Leider hatte mein Zug rund zwanzig Minuten Verspätung. Ich wartete auf dem Perron, dann fuhr ein Zug ein, und ich stieg ein. Nach kurzer Zeit beschlich mich jedoch das Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmen konnte. Der Zug hielt nämlich nicht an den Stationen, an denen er eigentlich hätte halten sollen.

Ich erkundigte mich bei meinen Mitreisenden und erfuhr, dass ich offenbar im falschen Zug sass. Mein verspäteter Zug war noch gar nicht angekommen, und der nachfolgende Zug war bereits eingefahren. Dieser fuhr allerdings nach Bratislava.

Wie auch immer – dank Interrail war das kein wirkliches Problem. Also fuhr ich kurzerhand nach Bratislava und bestieg dort den Zug, der mich schliesslich nach Krakau bringen sollte. Allerdings mit nicht weniger als drei Umstiegen.

Damit hatte ich innerhalb von nur 24 Stunden vier Hauptstädte besucht: Bukarest, Budapest, Wien und Bratislava. Der letzte Zug führte mich dann von der Slowakei über Tschechien nach Polen.

Schlussendlich kam ich doch noch in Krakau an und verbrachte dort meine erste Nacht. Leider zeigte sich das Wetter am nächsten Tag zunächst wenig kooperativ. Am Vormittag regnete es, doch zum Glück klarte es später auf. Am Nachmittag herrschte wieder strahlend blauer Himmel, und die Temperaturen kletterten auf offiziell 30 Grad.

Heute habe ich mir erneut ein Auto gemietet, das ich morgen um 10:00 Uhr übernehmen kann. Es wird ein Renault Clio für sechs Tage, Kostenpunkt 260 Euro inklusive Vollkaskoversicherung.

Morgen geht es wieder los. Wohin genau, das wird sich zeigen. Aber zumindest diesmal kenne ich bereits das Verkehrsmittel – und es fährt nicht auf Schienen.

 

 
 


Mittwoch, 17. Juni 2026

Brasov über Transfăgărășan zurück nach Bukarest

Mir fehlt ein Tag. Ich suche ihn nun schon seit einer Stunde in der ich diesen Eintrag hier mache aber ich weiss zum Teufel nicht wo der geblieben ist. Am 14. Juni bin ich von Bukarest nach  Brașov gefahren und habe dann dort einmal übernachtet. In meiner Zeitachse auf dem Iphone sehe ich aber dass ich auch den ganzen 15. Juni in Brașov war da es erst am 16. weitergegangen ist. Ich kann mich aber nicht erinnern rsp bin mir absolut sicher dass ich nicht zwei Nächte in Brașov übernachtet habe. Langsam bekomme ich Angst 😅

Am 16. Juni frühmorgens ging es weiter. Für diesen Tag hatte ich mir einiges vorgenommen. Ich hatte sowohl von ChatGPT als auch von mehreren Leuten in Bukarest den Tipp erhalten, unbedingt die Transfăgărășan zu befahren. Das ist eine Strasse, die über das höchste Gebirge Rumäniens führt und als eine der spektakulärsten Passstrassen Europas gilt.

Von Brașov aus führt die Strecke zunächst rund 80 Kilometer nach Westen, bevor man südlich auf die Transfăgărășan abbiegt. Die eigentliche Passstrasse durch die Berge ist etwa 60 Kilometer lang. Zuerst geht es auf über 2'000 Meter hinauf, bevor man das wunderschöne Hochplateau erreicht. Die Strasse ist jedes Jahr ungefähr sechs Monate geöffnet und sechs Monate wegen Schnee gesperrt. Ich hatte Glück, denn sie wurde genau am 12. Juni wieder für den Verkehr freigegeben.

Am besten vergleichen lässt sich die Strecke mit der alten Gotthard-Passstrasse. Man findet dieselbe kurvenreiche Linienführung, allerdings nicht für ein paar Kilometer, sondern über eine Distanz von rund 30 Kilometern. Nachdem ich mich an die vielen Kehren gewöhnt hatte, war ich zügig unterwegs – selbstverständlich immer sicher. Verkehr hatte es praktisch keinen. Nur ein paar Motorrad-Junkies waren unterwegs, die teilweise in einem Winkel durch die Kurven lagen, bei dem ich mich fragte, ob sie eigentlich noch Asphalt oder bereits Erdanziehungskräfte spüren. Das wäre definitiv nichts für mich.

Am nächsten Tag hatte ich übrigens leichte Muskelschmerzen in den Schultern. Nach 30 Kilometern praktisch ohne gerade Strecke merkt man plötzlich, dass Autofahren doch mehr ist als nur auf einem Sitz zu hocken. Am höchsten Punkt folgt ein Tunnel, und danach geht es auf der Südseite wieder talwärts.

Gegen 15:00 Uhr erreichte ich Pitești, wo ich bis zum nächsten Tag blieb. Ich hatte wieder eine kleine Wohnung gemietet, allerdings im fünften Stock – ohne Lift. Für diesen Unsinn bin ich inzwischen definitiv zu alt. In solchen Momenten muss ich immer an Susis Wohnung denken. Das wäre ebenfalls nichts für mich gewesen.

Am nächsten Morgen machte ich einen kleinen Abstecher nach Craiova, rund 110 Kilometer westlich von Pitești. Auch dort gibt es eine wunderschöne Altstadt. Da die Strassen, wie bereits erwähnt, ausgezeichnet sind, war die Fahrt dorthin und zurück überhaupt kein Problem. Danach übernachtete ich nochmals in Pitești. Dieses Mal hatte ich ein hervorragendes Zimmer in einem Hotel. Preis: 25 Euro pro Nacht. Alles bestens.

Morgen, am 18. Juni, fahre ich zurück nach Bukarest. Um 14:00 Uhr muss ich das Auto zurückgeben, und um 16:00 Uhr fährt mein Nachtzug über Budapest nach Wien.

Auf der Autobahn hat mich bei Tempo 130 noch ein Stein erwischt und einen kleinen Einschlag in der Frontscheibe hinterlassen. Zum Glück bin ich versichert. Wäre auch etwas ärgerlich gewesen, wenn die einzige bleibende Erinnerung an Rumänien eine Rechnung für eine neue Windschutzscheibe gewesen wäre.

Drohne über Transfăgărășan 


 

Montag, 15. Juni 2026

Brasov und Umgebung

Wie gesagt ging es am 14. Juni morgens gegen 07:00 Uhr los. Wieder einmal hatte ich Glück mit dem Mietwagen. Es war ein Dacia, eine Marke, die mir bis dahin völlig unbekannt war. Aber wie praktisch alle modernen Autos war auch dieses Fahrzeug bis unter das Dach mit Elektronik vollgestopft. Die ersten Minuten verbringt man deshalb nicht mit Fahren, sondern mit Grübeln. Es gibt derart viele Menüs, Untermenüs und Einstellungsmöglichkeiten, dass man das Auto vermutlich einige Tage lang fahren müsste, um auch nur einen kleinen Teil davon zu verstehen – geschweige denn wiederzufinden.

Was mich allerdings etwas genervt hat, war die permanente Bevormundung. Das Auto war offenbar der festen Überzeugung, besser fahren zu können als ich. Befand man sich noch völlig korrekt innerhalb der Spur, aber vielleicht zehn Zentimeter weiter links als vorgesehen, griff das Lenkrad bereits korrigierend ein. Dasselbe Spiel auf der rechten Seite. Jede dieser Massnahmen wurde selbstverständlich von einem freundlichen Piepston begleitet. Nach einigen solcher Hinweise erschien dann sogar die fürsorgliche Empfehlung, doch bitte eine Pause einzulegen. Offenbar galt man bereits als fahruntauglich, wenn man es wagte, die Mitte der Fahrspur nicht millimetergenau einzuhalten.

Ob sich dieses Dauergepiepse abschalten liess, konnte ich nicht herausfinden. Wahrscheinlich hätte ich dafür irgendwo im Untermenü 17.3.4.2 den Haken bei «Nervt den Fahrer nicht permanent» entfernen müssen.

Hinzu kam das nächste akustische Meisterwerk: Überschritt man die erlaubte Geschwindigkeit um mehr als vier Kilometer pro Stunde, meldete sich das Auto erneut. Hinter dem Lenkrad war dauerhaft die aktuell erlaubte Höchstgeschwindigkeit eingeblendet. Benutzte man zusätzlich ein Navigationsgerät, zeigte dieses ebenfalls die zulässige Geschwindigkeit an und warnte ebenfalls bei Überschreitungen. Das Problem war nur, dass sich Auto und Navigationsgerät nicht immer einig waren. So entstand gelegentlich der Eindruck, zwei sehr selbstbewusste Beifahrer würden gleichzeitig diskutieren, wer denn nun recht habe.

Die Strassen in Rumänien – zumindest die Hauptstrassen und Autobahnen – stehen denen in der Schweiz in nichts nach. Viele Abschnitte sehen aus, als wären sie erst gestern fertiggestellt worden. Auf den Autobahnen gilt meist Tempo 130. Die meisten Einheimischen scheinen dies allerdings eher als unverbindliche Empfehlung zu betrachten und fahren mindestens 20 km/h schneller. Da wollte ich natürlich nicht unangenehm auffallen und habe mich der lokalen Kultur angepasst.

Mein Ziel am ersten Tag war Brașov, eine Stadt rund 120 Kilometer nördlich von Bukarest. Auf dem Weg dorthin kam ich durch Sinaia, einen Ort, den man durchaus mit Grindelwald oder St. Moritz vergleichen kann. Wunderschöne Villen, gepflegte Strassen und Häuser, die eher an kleine Schlösser als an gewöhnliche Wohnhäuser erinnern. Dort befindet sich auch das Schloss Peleș, das definitiv einen Besuch wert ist (siehe Fotos).

Anschliessend ging es weiter zur Burg Bran, die heute vor allem als Heimat von Dracula vermarktet wird. Historisch ist die Verbindung zwar etwas komplizierter, aber das interessiert die Touristenindustrie herzlich wenig. Hier soll jedenfalls Vlad III., besser bekannt als „Vlad der Pfähler“, gelebt haben. Die Burg selbst ist durchaus sehenswert. Alles, was sich ausserhalb der Burgmauern befindet, wirkt dagegen wie ein touristischer Albtraum auf Steroiden. Souvenirstände, Dracula-Tassen, Dracula-T-Shirts, Dracula-Magnete und vermutlich auch Dracula-Toilettenpapier – es fehlte eigentlich nur noch Dracula-Dosenfutter für Hunde.

Gegen 14:00 Uhr erreichte ich schliesslich Brașov. Dort hatte ich eine hervorragende Wohnung auf einem Hügel oberhalb der Stadt gemietet. Brașov ist vor allem für seine grosse und wunderschöne Altstadt bekannt, die zu den schönsten in ganz Rumänien zählt (siehe Bilder).


Budapest & Bukarest

Nach einigen Tagen zuhause ging es wieder los. Diesen Satz habe ich inzwischen vermutlich schon hundert Mal geschrieben. Langsam muss ich mir wirklich etwas Originelleres einfallen lassen. Vielleicht so etwas wie: „Meine Arschbacken begannen vom ewigen Herumsitzen zuhause zu protestieren, weshalb dringender Handlungsbedarf bestand.“

Wie auch immer. Zum ebenfalls sicher fünften Mal – und damit meine ich nicht diesen Satz, sondern tatsächlich die Zugfahrt – bestieg ich am 8. Juni den Nightjet von Zürich über Wien nach Budapest. Ich hatte einen Platz in einem Zweierabteil reserviert, aber wie so oft war mir das Glück hold und mein Mitreisender erschien nicht. Somit hatte ich das Abteil wieder ganz für mich alleine.

Am 9. Juni kam ich um 09:45 Uhr bei strahlendem Sonnenschein in Budapest an. Ich hatte ein kleines Zimmer gebucht, musste aber leider feststellen, dass „klein“ in diesem Fall eine ziemlich kreative Umschreibung war. Gesehen hatte ich das Zimmer zwar noch nicht, aber bereits am Bahnhof entdeckte ich bei der Routenplanung ein Foto davon. Das genügte, um leichte Panik auszulösen. Ich rief den Vermieter an und erklärte ihm die Situation. Eine sehr freundliche Frau meldete sich und meinte lachend, dass sie mit meinem Anruf eigentlich schon gerechnet habe.

Zum Glück konnte sie mir eine Alternative zum gleichen Preis anbieten – 25 Franken pro Nacht. Es handelte sich zwar nicht um ein Einzelzimmer, sondern um ein Vierbettzimmer, dafür war dieses riesig und befand sich in einem wunderschönen alten Gebäude. In jeder Ecke stand ein Bett, und zwischen den einzelnen Betten lagen gefühlt fünf Meter Abstand. Schlussendlich waren wir sogar nur zu zweit im Zimmer, und nachts war es himmlisch ruhig. Besser hätte es kaum sein können.

Den 10. Juni verbrachte ich in Budapest und schaute mir noch einige Orte an, die ich bisher noch nicht besucht hatte. Die Stadt gefällt mir mit jedem Besuch besser, insbesondere bei schönem Wetter. Das war bei meinem ersten und teilweise auch beim zweiten Besuch noch ganz anders. Im Vergleich zu Städten wie Prag gibt es zwar noch viele historische Gebäude, die dringend renoviert werden müssten, aber das wird mit der Zeit sicher geschehen. Budapest ist eine riesige Stadt, und die Sanierung unzähliger Altbauten kostet selbstverständlich ein Vermögen.

Natürlich schaute ich auch beim Bahnhof vorbei und reservierte meinen Platz im Nachtzug von Budapest nach Bukarest.

Am 11. Juni ging es dann um 16:00 Uhr weiter. Wieder in einem Zweierabteil. Diesmal hatte ich tatsächlich einen Mitreisenden, aber es war ein angenehmer Typ und die Fahrt verlief völlig problemlos.

Am 12. Juni kam ich in Bukarest an. Der erste Eindruck war ehrlich gesagt eher durchzogen, was allerdings hauptsächlich am Wetter lag. Es regnete, und viele Städte wirken bei Regen nun einmal etwas trostloser. Dafür hatte ich ein schönes Zimmer in einem prächtigen alten Haus gemietet.

Am nächsten Morgen zeigte sich Bukarest dann von einer völlig anderen Seite. Knallblauer Himmel, sommerliche Temperaturen und strahlender Sonnenschein. Meine Unterkunft lag direkt an der Calea Victoriei, der wohl schönsten Strasse der Stadt, die mich ein wenig an die Gran Vía in Madrid erinnerte.

Den Rest des Tages sowie den folgenden Tag verbrachte ich damit, Bukarest zu erkunden. Die Stadt hat mir ausgesprochen gut gefallen. Auch hier gibt es noch viele historische Gebäude, die auf eine Renovation warten. Immerhin existieren inzwischen in vielen osteuropäischen Städten Gesetze, die verhindern sollen, dass alte Häuser einfach abgerissen werden.

Allerdings wurde mir erzählt, dass der Immobilienmarkt teilweise auch von eher fragwürdigen Gestalten beeinflusst wird. Wenn jemand ein altes Gebäude unbedingt loswerden möchte, kommt es offenbar gelegentlich vor, dass dieses ganz plötzlich und völlig unerwartet Feuer fängt. Äusserst bedauerlich natürlich. Dumm gelaufen. Kann man nichts machen.

Am 13. Juni übernahm ich schliesslich meinen Mietwagen, den ich bis zum 18. Juni um 14:00 Uhr behalten werde.

Am 14. Juni morgens um 07:00 Uhr ging es dann los. ChatGPT hatte mir eine Route zusammengestellt, mit der ich in der verfügbaren Zeit möglichst viele der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Rumäniens besuchen kann.

Die Route lautet:

Bukarest – Schloss Peleș – Schloss Bran – Brașov – Sighișoara – Sibiu – Transfăgărășan – Bâlea-See – Bukarest

Die Transfăgărășan ist wie man sagt eine der schönsten Strassen mindestens in Europa. Bin gespannt darauf. Hier etwas das ich in YouTube gefunden habe. Die Strasse ist immer im Winterhalbjahr gesperrt. Ich habe Glück. Dieses Jahr wurde sie am 12. Juni geöffnet. Video der Transfăgărășan

Weiteres folgt dann unterwegs.


 


 

 

 


Samstag, 6. Juni 2026

Zurück nach Hause und schnell wieder weiter

Am 23. Mai entschied ich mich schlussendlich, wieder in Richtung Heimat zu fahren – mit möglichen Zwischenstopps in Kopenhagen, Hamburg und vielleicht sogar noch Berlin oder Amsterdam.

Ich nahm den Zug von Stockholm nach Kopenhagen und buchte dort für zwei Nächte ein Zimmer im Generator Hostel. Dort war ich bereits zweimal abgestiegen und hatte jedes Mal sehr gute Erfahrungen gemacht. Das Hostel liegt mitten im Ausgehviertel, was aber auf eine angenehme Art funktioniert. Keine Ansammlung von grölenden, vor allem männlichen Gestalten, die einen daran zweifeln lassen, ob die Menschheit wirklich ein Recht hat, weiter zu existieren. Nein, die Atmosphäre war entspannt, international und unkompliziert. Ich kann das Hostel wirklich weiterempfehlen.

Nach knapp zwei Tagen ging es dann weiter nach Hamburg. Die Strecke ist eigentlich gar nicht so weit, aber der Zug macht einen recht grossen Umweg, um auch kleinere Orte entlang der Strecke zu bedienen. Das dauert zwar etwas länger, ist aber absolut in Ordnung.

In Hamburg buchte ich erneut zwei Nächte im Cab20, einem Ort, den ich inzwischen sicher schon viermal besucht habe. Die Gegend direkt neben dem Hamburger Hauptbahnhof gehört zwar nicht zu den schönsten Ecken der Stadt, aber das Cab20 ist für mich so etwas wie ein Fünf-Sterne-Hostel. Und nur etwa 100 Meter entfernt befindet sich jenes Restaurant mit den Shrimps in Knoblauchsauce, das ich in meinen Reiseberichten vermutlich schon mehrmals erwähnt habe. Allein dafür lohnt sich der Aufenthalt beinahe schon.

Am 27. Mai ging es dann mit einer direkten Verbindung von Hamburg nach Basel SBB und anschliessend weiter nach Luzern. Ich musste wieder meine Medikamente in Bern abholen, und die wenigen verbleibenden Tage lohnten sich nicht mehr für einen weiteren grösseren Abstecher.

Wie auch immer – lange wird es wohl nicht dauern, bis es wieder losgeht. Ihr kennt mich ja inzwischen. Solange in Europa noch Frieden herrscht – und dank Trump scheint das leider nicht mehr ganz so selbstverständlich zu sein wie noch vor einigen Jahren – sollte man jede Gelegenheit nutzen, um die Welt zu entdecken. Irgendwann werden wir alle genug Zeit haben, zu Hause zu sitzen. Bis dahin gibt es noch viel zu sehen.

Kopenhagen mit Drohne 


 

Inverness, Wick, Thurso, Durness & Inchnadamph

Nach Thurso ging es weiter in Richtung Durness und am nächsten Tag wieder südwärts nach Inchnadamph – einem Ort mit einem Namen, den vermutl...