Nach meinem Rundtrip durch Ungarn kehrte ich am 14. August in die Schweiz zurück. Nicht zuletzt natürlich wegen meines monatlichen Besuchs in der Apotheke in Bern, wo ich jeweils meinen Medikamentenvorrat abhole.
Zusätzlich wollte ich endlich einen Versuch wagen, meinen Alkoholmissbrauch mithilfe eines speziellen Medikaments in den Griff zu bekommen. Antabus ist eines der wenigen Medikamente, die einen ziemlich zuverlässig davon abhalten können, Alkohol zu trinken. Denn wer Antabus einnimmt und trotzdem Alkohol trinkt, muss mit äusserst unangenehmen Reaktionen rechnen, die in schweren Fällen sogar tödlich enden können.
Das Problem dabei ist, dass man vor der ersten Einnahme mindestens drei bis vier Tage vollständig auf Alkohol verzichten muss. Und genau das hatte ich bisher einfach nicht geschafft. Deshalb bekam ich ein weiteres Medikament, das mich in dieser ersten Phase unterstützen sollte. Und tatsächlich: Es funktionierte! Schlussendlich trank ich mehr als drei Wochen lang keinen einzigen Schluck Alkohol.
Am 23. September ging es dann wieder los. Ich hatte geplant, nochmals in die baltischen Staaten zu reisen. Allerdings war das diesmal mit einem etwas seltsamen Gefühl verbunden. Wer sich mit der aktuellen politischen Situation beschäftigt, weiss, dass man auf dem Weg von Polen nach Vilnius den sogenannten Suwałki-Korridor durchquert. Das ist ein rund 65 Kilometer breiter Landstreifen zwischen Weissrussland und der russischen Exklave Kaliningrad. Sollte es dort irgendwann zu einer militärischen Eskalation kommen, wäre genau dieser Korridor wohl eines der strategisch wichtigsten Ziele Russlands. Mit seiner Besetzung könnten die baltischen Staaten auf dem Landweg vom Rest der NATO abgeschnitten werden.
Nun, es ging alles gut, und ich kam problemlos in Vilnius an. Gleich am Flughafen mietete ich ein Auto, mit dem ich während der nächsten Tage die Umgebung erkundete. Die Menschen waren, wie eigentlich fast überall auf meinen Reisen, ausgesprochen freundlich. Auffallend war auch, dass man neben Litauisch immer wieder Russisch hörte. Im Alltag erlebte ich das Zusammenleben jedenfalls als völlig problemlos. Von den Spannungen, die in manchen Medien gerne besonders dramatisch dargestellt werden, bekam ich persönlich nichts mit.
Nach ein paar Tagen nahm ich den Zug weiter nach Norden, nach Riga. Auch dort wollte ich eigentlich wieder ein Auto mieten. Mein ursprünglicher Plan war ja, in allen drei baltischen Staaten jeweils einige Tage mit dem Auto unterwegs zu sein, Land und Leute kennenzulernen und schliesslich von Tallinn aus mit der Fähre nach Stockholm überzusetzen.
Doch in Riga machte mir plötzlich mein Körper einen Strich durch die Rechnung. Schon nach kurzen Spaziergängen bekam ich Rückenschmerzen, die bis in die Oberschenkel ausstrahlten. Besonders beunruhigend war, dass mir zweimal völlig unerwartet das rechte Bein einknickte und ich kurzzeitig kaum noch Gefühl darin hatte.
Das machte mir dann doch ziemlich Angst. Ich beschloss deshalb, die Reise abzubrechen. Schliesslich wollte ich nicht riskieren, irgendwo mitten in der baltischen Wildnis plötzlich ernsthafte Probleme zu bekommen. So schön diese Länder auch sind, auf einen unfreiwilligen Aufenthalt in irgendeinem abgelegenen Krankenhaus konnte ich gut verzichten.
Also buchte ich ziemlich spontan einen überraschend günstigen Rückflug in die Schweiz. Damit endete meine ursprünglich wesentlich länger geplante Baltikumreise leider früher als vorgesehen. Aber aufgeschoben ist ja bekanntlich nicht aufgehoben. Und Riga und Tallinn laufen mir hoffentlich nicht davon.