Wieder ist einige Zeit vergangen.
Auf dem Weg zurück von Inchnadamph in Schottland übernachtete ich noch einmal, diesmal in Strathpeffer, einem kleinen Ort rund 15 Kilometer vor Inverness. Wie schon in Inchnadamph hatte ich eine Unterkunft in einem renovierten Schloss, das problemlos als Vier-Sterne-Hotel hätte durchgehen können. Genau so, wie man es aus alten englischen Filmen kennt: eine lange Auffahrt, davor ein grosser Kreisverkehr und ein imposantes Gebäude, das einem fast das Gefühl gibt, man müsse beim Betreten zuerst den Butler nach dem Earl fragen.
In dieser Zeit machte ich auch noch einen kurzen Abstecher zum Loch Ness. Im Nachhinein betrachtet war das allerdings eher ein Leerlauf. Dort befindet sich im Wesentlichen eine Art Raststätte direkt am See mit einem kleinen Museum, in dem die Geschichte von Nessie und ihrer Entstehung erzählt wird. Natürlich durfte auch der obligatorische Souvenirshop nicht fehlen, in dem man wirklich die absurdesten Dinge kaufen konnte. Es gab zwar auch einige schöne Artikel, aber die hatten interessanterweise überhaupt nichts mit Nessie zu tun.
Am 22. Juli brachte ich dann meinen Mietwagen in Inverness zurück. Alles lief perfekt, und ich hatte die Rückgabe so geplant, dass ich direkt anschliessend zum Bahnhof fahren und den Zug nach Edinburgh nehmen konnte. Dort hatte ich etwa eine Stunde Aufenthalt, bevor es gleich weiter nach London ging.
In London verbrachte ich eine Nacht im Generator Hostel, einer Kette, die ich bereits aus Hamburg und Stockholm kannte. Das Haus in London war allerdings eine ziemliche Enttäuschung. Überall hatte man das Gefühl, dass die Einrichtung kurz davor war, endgültig aufzugeben. Entsprechend froh war ich am nächsten Morgen, wieder abreisen zu können. Immerhin lag das Hostel nur fünf Gehminuten von King's Cross entfernt. Von dort fahren bekanntlich auch die Züge nach Paris und Amsterdam.
Eigentlich wollte ich nochmals nach Amsterdam, doch sämtliche Verbindungen waren ausgebucht. Also buchte ich stattdessen eine Fahrt nach Brüssel, wo ich am 23. Juli ankam.
In Brüssel übernachtete ich eine Nacht und mietete dann spontan für vier Tage ein Auto. Damit besuchte ich Brügge und Gent. Vor allem Brügge ist ein traumhaft schöner Ort und gehört für mich ganz klar zu den schönsten Städten, die ich auf dieser Reise gesehen habe.
Leider konnte ich den Aufenthalt nicht wirklich geniessen, weil ich mich zunehmend schlechter fühlte. Im Nachhinein weiss ich auch, weshalb: Mir war eines meiner beiden Blutdruckmedikamente ausgegangen. Nach zwei Übernachtungen in Brügge entschied ich deshalb, die Reise abzubrechen und nach Hause zu fahren. Auf dem Rückweg nach Brüssel machte ich noch einen kurzen Halt in Gent. Auch diese Stadt hat mir sehr gut gefallen, doch richtig Freude kam nicht mehr auf. Ich wollte nur noch nach Hause und gab den Mietwagen bereits nach zwei statt der geplanten vier Tage wieder zurück.
Das erwies sich allerdings als deutlich schwieriger als gedacht. Sämtliche Züge über Paris sowie die direkten Verbindungen ab Brüssel oder über Amsterdam waren auf mehrere Tage hinaus ausgebucht. Die einzige vernünftige Möglichkeit war eine Fahrt nach Luxemburg. Wenigstens stimmte die Richtung.
Also nahm ich den nächsten Zug nach Luxemburg. Von dort sollte es weiter nach Strassburg gehen. Ganz so einfach war das allerdings nicht. Zuerst ging es mit dem Bus nach Thionville, von dort mit dem Zug nach Metz und anschliessend weiter nach Strassburg. Dort hätte ich auf den Zug nach Basel SBB umsteigen sollen.
Leider kam der Zug aus Metz mit gerade einmal drei Minuten Verspätung in Strassburg an. Das reichte jedoch, damit mir der Anschluss nach Basel buchstäblich vor der Nase davonfuhr. Also blieb mir nichts anderes übrig, als in Strassburg zu übernachten, denn es fuhr an diesem Abend kein weiterer Zug mehr.
Im Nachhinein war das fast schon wieder ein Glücksfall. So hatte ich wenigstens Gelegenheit, zum ersten Mal die wunderschöne Altstadt von Strassburg zu sehen. Ich fand mitten im historischen Zentrum ein kleines, gemütliches Zimmer und konnte am Abend noch etwas durch die Gassen spazieren.
Am nächsten Morgen machte ich mich auf das letzte Stück meiner Reise. Mit dem Zug ging es von Strassburg nach Basel SBB und von dort ohne Umsteigen weiter nach Luzern, wo ich am 27. Juli ankam.
Zu Hause besorgte ich mir als Erstes das fehlende Blutdruckmedikament. Schon kurze Zeit später merkte ich, dass genau dieses der Grund gewesen war, weshalb ich mich in den letzten Tagen so schlecht gefühlt hatte.
Man lernt eben nie aus.








